Religion an beruflichen Schulen...

Zukunftskongress der Religionslehrkräfte an berufsbildenden Schulen

Dieser Kongress in Frankfurt Sankt Georgen war eine Neuheit in der religionspädagogischen Szene der Bundesrepublik. Er wurde erstmalig in ökumenischer Zusammenarbeit veranstaltet von den Instituten für berufsorientierte Religionspädagogik beider Konfessionen: KIBOR, EIBOR und BIBOR (siehe Kasten). Und damit setzten die Veranstalter ein eindeutiges Zeichen für die gemeinsame Verantwortung der Kirchen, wenn der Religionsunterricht an Berufsbildenden Schulen eine Zukunft haben soll. Zur wichtigen Rolle dieses Religionsunterrichts bekannten sich denn auch die beiden Vertreter von Deutscher Bischofskonferenz und Evangelischer Kirche Deutschlands, "Schulbischof" Hans Josef Becker und Nikolaus Schneider, in ihren Grußworten.

Becker endete seinen Vortrag mit einem persönlichen Dank an alle Religionslehrerinnen und -lehrer: "Sie sind ein Schatz der Kirche." Genau diese Aussage sei kürzlich mit dem Beifall aller Bischöfe bedacht worden - bei der Vollversammlung der DBK im Herbst 2012. Dies zu hören, freute die Kongressbesucher sichtlich. Es tut gut, um den Rückhalt der Kirche zu wissen -  und ihre realitätsnahen Erwartungen an den Religionsunterricht. Seit dem Zweiten Vaticanum kann sich der Religionsunterricht auf das dialogische Verhältnis der Kirche zur Welt berufen, wenn er die Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler ernst nimmt und sich mit ihnen auf die Suche nach dem Sinn macht. Hier ist auch ein Ort für das Erproben interreligiösen Lernens. Der Schulbischof weiß um die Realität religiös heterogener Lerngruppen im katholischen Religionsunterricht der Berufsschule.

Professor Fritz Oser referierte über Resilienzforschung bei Jugendlichen, also zur Frage was benachteiligten Kindern hilft, trotz widriger Umstände langfristig ein zufriedenes Leben zu führen. Er zeigte auf, dass religiöse Motive auch durch den Religionsunterricht dazu beitragen können, Arbeitslosigkeit und Sinnlosigkeit zu bewältigen. Sie könnten aber nur wirksam werden , wenn Religionsunterricht überhaupt stattfinde. In der Schweiz sei der Religionsunterricht an Berufsbildenden Schulen stillschweigend verloren gegangen und finde nicht mehr statt. Das macht nicht nur mich nachdenklich.

Der anschließende Vortrag von Prof. Friedhelm Hengsbach ergänzte dazu die wirtschaftspolitische Perspektive. Berufsbildung werde immer mehr zur funktionalisierten Ware im globalen Wettbewerb, die Anerkennung und  Entfaltung des jungen Menschen durch den Beruf trete dagegen zurück. Hier sei die Kirche insgesamt gefordert, in ihrer Praxis (!) nicht nur für gymnasiale Bildung einzutreten. Konkret: "Sind die Kirchen (und Religionslehrer,  Anm. d. Verf.) bündnisfähig mit den Gewerkschaften?"
Ich denke, Religion kann doch nicht auf eine Sache für Kinder (bis Sek I) und Intellektuelle reduziert werden. In einem der Foren lernte ich nachmittags etwas über San Precario, den Schutzpatron für Menschen in prekärer Beschäftigung, von der inzwischen rund 40% in Europa betroffen sind. Recherchieren Sie im Internet, es lohnt sich. So wie sich auch die Teilnahme am Kongress gelohnt hat – anregend, gut organisiert und ökumenisch. Danke!

Ein weiterer Dank gilt den Autoren der "Frankfurter Erklärung" zur Zukunftsfähigkeit des Berufsschulreligionsunterrichts (BRU), die in 14 Punkten das Recht auf BRU begründet und Forderungen an Wirtschaft, Politik, Kirche und Gesellschaft formuliert. Den Text und ein Forum dazu finden Sie unter www.zukunftskongress-bru.de.  Man sollte ihn in der Tasche haben, wenn wieder einmal über den BRU diskutiert wird.
Theo Sprenger