Religion an beruflichen Schulen...

Podium zum Religionsunterricht an Berufsschulen

1205Podium_BBSKatholikentag 2012 in Mannheim

Zum Podium über Religionsunterricht an Berufsbildenden Schulen hatte die Schulabteilung des Bistums Freiburg in das Zentrum für Kirche – Wirtschaft – Arbeitswelt eingeladen. Und viele hatten den Weg zum Technoseum am Rande der Stadt gefunden.

Nach der Begrüßung durch Herrn Weinzierl brachten die ersten Statements schon sehr konkrete Erwartungen an den Religionsunterricht zum Ausdruck.

Barbara Waldkirch, Vizepräsidentin der IHK Rhein-Neckar, hatte eine Umfrage unter IHK-Mitgliedern gemacht und 67 Antworten erhalten. "Die letzte war ein flammendes Plädoyer für den Religionsunterricht in der beruflichen Bildung." Die Betriebe erwarten dieser Umfrage zufolge, dass der Religionsunterricht die Werteorientierung, das Sozialverhalten und die Persönlichkeitsbildung positiv beeinflusst. Darüber hinaus halten sie es für wichtig, dass die jungen Menschen gut mit religiös-kultureller Vielfalt umzugehen lernen. Konkret sollten sie alle ohne Ausnahme interreligiösen Dialog in der Berufsbildenden Schulen erfahren. Den Ort für das Erlernen interreligiöser Kompetenz sehen die Betriebe im Religionsunterricht mit allen Schülerinnen und Schülern einer Klasse.

Dazu ergänzte die Schulleiterin Elisabeth Ruiner (Mannheim), dass aus ihrer Sicht der Religionsunterricht offen sein sollte für Gäste aller Glaubensrichtungen. Damit habe sie gute Erfahrungen gesammelt. In Verbindung mit einem Kollegen, der in Schulseelsorge ausgebildet ist, habe der Religionsunterricht das Schulklima sehr positiv beeinflusst.

Stefanie Boßmeyer, Religionslehrerin in Mannheim und im Vorstand des VKRF, bestätigte dies und verwies auf die Tatsache, dass der Religionsunterricht für viele Schülerinnen und Schüler der letzte Kontakt zur Kirche darstelle, ein niederschwelliges Angebot für nicht kirchlich sozialisierte junge Menschen.

Professor Albert Biesinger betonte, Religion sei mehr als Ethik. Religionsunterricht stellt sich den Fragen nach dem Sinn: "Warum lebe ich, wenn ich doch weiß, dass ich sterben muss?" Die Schülerinnen und Schüler hätten ein Recht darauf, theologisch vernünftige Antworten darauf zu bekommen – nicht irgendwelche Antworten aus Hinterhof-Moscheen oder radikalen christlichen Gruppen.

Prof. Friedrich Schweitzer (EIBOR) vermutet, dass der Religionsunterricht in seiner Bedeutung unterschätzt werde. Wenn Betriebe über mangelnde Reife von Auszubildenden klagten, dann habe das auch mit einer existenziellen Orientierung zu tun.

Ministerialdirigent Klaus Lorenz machte deutlich, dass der Religionsunterricht an Berufsbildenden Schulen seine Akzeptanz gewinnt durch gute Qualität, dadurch, dass er die Lebensfragen junger Menschen aufgreift. Wie kein anderes Fach repräsentiere er die Allgemeine Bildung in der Berufsbildung. Dabei verwies er auf die ausgezeichnete Arbeit der Religionspädagogischen Inststute KIBOR und EIBOR.

Was die Quantität angehe, finde 75% des Religionsunterricht an Berufsbildenden Schulen statt. Man könne sich das noch besser wünschen, aber da sei das Fach wie andere auch von fehlenden Lehrerstunden betroffen. Das zweite Fach der Religionslehrerinnen und -lehrer begrenze den Einsatz im Religionsunterricht.

Irritiert zeigte sich Biesinger auf die Frage einer Schülerin, wie es denn sein könne, dass sie ein halbes Jahr das Thema Drogen im Religionsunterricht behandelt hätten: "Diesem Religionslehrer würde ich das Gehalt kürzen, das geht gar nicht." Er verwies auf die gut strukturierten Materialien "SinnVollSinn", die sich ausgezeichnet bewährt hätten und eine Fülle von Themen didaktisch aufbereitet anbieten.

Was die Inhalte des Religionsunterricht angeht, bemerkte Frau Ruiner: "Religionslehrerinnen und -lehrer sind doch so etwas wie freischaffende Künstler, oder? Wer kontrolliert eigentlich, was die machen?" Verhaltenes Lachen aus dem Publikum, aber kein Widerspruch. Es kam dann noch die Frage nach den Abmeldequoten. Vielleicht steckte da eine Antwort drin. Von Mathe kann man sich nicht abmelden aus Gewissensgründen, oder?

Ach ja, und auf gute Einstellungsprognosen wollte sich Herr Lorenz denn auch nicht festlegen. Das sei von vielen Entwicklungsfaktoren abhängig. Der Nachwuchs für den Beruf stehe jedenfalls in Tübingen in großer Zahl in den Startlöchern, bemerkte Prof Biesinger.


Theo Sprenger